Folge 5: Selbstverantwortung vs. Machtverlust

Sich mehr Selbstverantwortung auf Mitarbeiterebene zu wünschen, ist leicht und verlockend. Den damit einhergehenden Machtverlust in der Praxis wirklich zu wollen und die Sache durchzuziehen, eine ganz andere Nummer.
 
Die WGS – Wohnungsgesellschaft Schwerin mbH, allen voran Kristian Meier-Hedrich, hat letztes Jahr genau diese mutige Entscheidung getroffen und umgesetzt: weg von einer stark hierarchischen Struktur, hin zu selbstorganisierten Teams. Nicht, weil das gerade modern ist. Sondern weil Entscheidungen schneller dort getroffen werden sollen, wo das Wissen ist.
 
Warum? Der Bestand wird saniert, gleichzeitig wird neu gebaut – alles parallel zum Alltagsgeschäft der Wohnungsgesellschaft. Bei steigenden Kosten bedeutet das ganz klar: Effizienz und Prozesskosten müssen in den Fokus. Gleichzeitig waren Mitarbeitende durch zahlreiche Wechsel in der Geschäftsführung nicht nur an positive Veränderungen gewöhnt. Brauchten neues Vertrauen, dass Transformation auch Gutes mit sich bringen kann.
 
Im ersten halben Jahr ging es nur um Zusammenarbeit. Wie Kommunikation gelingt, wenn Entscheidungen nicht mehr einfach von oben nach unten durchgereicht werden. Wir haben Retros etabliert, mit Kanban-Boards angefangen und in Town-Halls über Hierarchien hinweg für Austausch gesorgt.
 
Im zweiten halben Jahr ging es dann in selbstorganisierten, abteilungsübergreifenden Teams an die eigentliche Prozessoptimierung.
 
Diese Transformation hat die Nerven strapaziert und von allen viel gefordert. Mitarbeitende fangen an, Gewohnheiten infrage zu stellen – selbstbewusst Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Das ist für alle Seiten erstmal ganz schön herausfordernd. 
 
Aber es wirkt. Die letzte Mitarbeiterversammlung zeigt: Das Miteinander ist jetzt ein anderes. Mehr Offenheit, mehr Klarheit, mehr Verantwortung füreinander. Natürlich sind nicht alle begeistert – Veränderung ist kein Selbstläufer.
 
Doch die Mehrheit ist bereit für den nächsten großen Schritt: In den kommenden Monaten werden zwei komplette Hierarchieebenen entfallen! Dann gibt es keine Abteilungs- oder Teamleiter mehr.
 
Übrig bleiben Geschäftsleitung, selbstorganisierte Teams und eine neue Funktion „Teamcoaches“, auf die sich alle bewerben können. Bei 10.000 Wohneinheiten und einem 80-köpfigen Team. Beeindruckend, oder?