
Unter den Top-3-Themen bei Mitarbeiterworkshops sind zuverlässig diese beiden Themen dabei. Egal bei welchem Kunden.
Wenn wir das anschließend mit den Führungskräften besprechen, hören wir ebenso zuverlässig die leicht verzweifelte oder auch leicht genervte Frage: „Was soll ich denn noch machen?!“ Ja, es ist fies, immer wieder die Wertschätzung zu hören zu bekommen. Es fühlt sich ein bisschen an wie dieser Wäschekorb … egal, wie oft man wäscht, er wird nie leer.
Wie einfach man demotivieren kann, aber auch wie einfach Motivation und Wertschätzung gehen, zeigt eine klitzekleine Geschichte, die mir eine Kundin aus dem Norden der Republik vor Kurzem erzählt hat.
In ihrer Genossenschaft hatte gerade der Vorstand gewechselt und ich fragte sie, wie es denn nun so läuft. Sie: „Es war sofort spürbar!“ Ich: „Woran merkst du das?“ Und dann erzählte sie.
Ihr neuer Azubi hatte im Jahr vorher angefangen und war eine Zeit lang am Empfang eingesetzt. Wenige Wochen nach seinem Start läuft der alte Vorstand am Tresen vorbei. Der neue, hochmotivierte Azubi – die beiden kennen sich noch nicht (einige Wochen nach seinem Start!?) – guckt ihn freundlich an, erkennt ihn und grüßt ihn mit „Moin, Herr XY“. Herr XY dreht sich im Laufen kurz um, erwidert: „In diesem Unternehmen sagt man ‚Guten Tag‘!!“, dreht sich um und läuft grußlos weiter.
Nein, wir reden nicht von einer Geschichte aus dem Jahr 1970. Sondern aus dem Jahr 2025. Geradezu ein Paradebeispiel aus dem Lehrbuch zum Thema: Wie Sie zuverlässig Ihre Mitarbeitenden demotivieren und jegliches Engagement und jede Verantwortungsübernahme im Keim ersticken.
Sein Nachfolger – er war bereits in der Genossenschaft tätig – sieht den neuen Azubi bei einer anderen Gelegenheit. Läuft kurz im Büro meiner Kundin vorbei und fragt: „Wie heißt der neue Azubi nochmal?“, läuft wieder zurück zum Azubi und sagt: „Guten Morgen, (Vorname). Wir kennen uns ja noch nicht. Ich bin übrigens (Vorname). Schön, dass du hier angefangen hast. Wenn wir uns das nächste Mal sehen, lass mich gern wissen, wie es läuft und was dir so aufgefallen ist.“
Kostet null Euro, nur eine Minute Zeit. Geht so einfach. Und ist so viel wirksamer als Geld und Benefits.
Ich will nicht sagen, dass Wertschätzung immer einfach ist. Und dass man das bei jeder Person jeden Tag machen kann. Aber falls Sie mal wieder das Thema „Wertschätzung“ von Ihrem Betriebsrat, der Personalabteilung oder in Mitarbeitergesprächen hören … gucken Sie einfach ab und an mal, wem Sie oder Ihre Führungskräfte mit einer kurzen Frage das Gefühl geben können, gesehen zu werden.
Crafted with passion by Telesense in Berlin, Germany 